Sonnenring am Bodensee
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2.3 - Vier – Elemente – Plätze

2.3.1 - Die Konstruktion

Die quadratische Bauweise, die exakte Ausrichtung zu den Himmelsrichtungen und die drei Eingänge lassen vermuten, dass hier ein ganz besonderes geomantisches Konzept benutzt worden ist: der Vier-Elemente-Platz.
Bei geomantischen Studien stößt man des öfteren auf eine Struktur ,die vornehmlich in alten Anlagen zu finden ist: ein Quadrat bzw. ein quadratisches Kreuz - verbunden waren damit auch immer die vier Elemente. Die klassisch geomantische Ordnung einer solchen Anlage sieht dann so aus:

 

Vier Elemente quadratisch Vier Elemente Raute Vier Elemente Kreuz

 

Vor und in den Anfängen der Christianisierung scheint man auf diese Art und Weise Geomantie betrieben zu haben. Die ersten christlichen Kirchen (die meistens auf den alten Kultplätzen angelegt wurden) hatten, in der Regel, noch diese Form. Das Quadrat bzw. das quadratische Kreuz stellen noch die Ganzheit der Elemente bzw. die Einheit des Menschen mit der Natur dar.
In seinem Buch „Die Kathedrale“ beschreibt Hans Sedlmayr das die Vierzahl der Welt zugeordnet ist, während die Achtzahl den Himmel darstellt. In den ursprünglichen Quadratkonstruktionen ist, durch die Diagonalen, stets auch die Zahl Acht enthalten. Allgemein lässt sich also sagen, das die Gebäude, der vor und anfangschristlichen Zeit, eine Verbindung bzw. den übergang vom Weltlichen zum Himmlischen repräsentieren.

Die klassische, also aus der Vier-Elemente-Lehre stammende Zuordnung der Elemente zu den Himmelsrichtungen lautet: Feuer-Süden, Luft-Osten, Wasser-Westen, Erde-Norden
In der geomantischen Praxis wird diese Zuordnung aber nicht benutzt, da unbrauchbar. Aus
energetischen Gründen müssen die Elemente stets polar angeordnet sein, also Feuer-Wasser und Erde-Luft.

 

 

2.3.2 - Der Essener Dom als Beispiel für einen Vier-Elemente-Platz

    Der Hochaltar    
     Hochaltar    
           
    FEUER    
 Kreuzgang mit Domherrenfriedhof  

ERDE

LUFT    Vorplatz
Kreuzgang mit Domherrenfriedhof   WASSER   Der Vorplatz
           
     Atrium    
    Blick ins Atrium    

 

Essen Dom Plan   Wie man, anhand der heutigen Kirchen, nachvollziehen kann, hat sich irgendwann in der Vergangenheit, daraus eine etwas abgewandelte Form ergeben. Kirchen entsprechen mehr dem christlichen Kreuz bzw. werden die Seitenschiffe auch ganz weggelassen - und man erhält eine einfache längliche Konstruktion oft in West-Ost-Richtung orientiert.

Betrachtet man die obige Elementeanordnung, dann ergibt sich die übliche Kirchenstruktur, indem die Elemente Luft und Erde einfach ausgelassen werden.

Und so sind die herkömmlichen Kirchen aufgebaut: auf dem Feuerpunkt im Osten steht der Hochaltar oder ist der Platz des Priesters und gegenüber auf dem Wasserpunkt im Westen befindet sich, in der Regel, eine Säule mit kleinem Wasserbecken - manchmal auch als Taufbecken benutzt.

 

 

2.3.3 - Der Ansatz zum Vier-Elemente-Platz in Heiden

Auch die Kirche in Heiden, mit ihrer quadratischen Strukturierung, könnte auf der uralten anfänglich christlichen Bauweise basieren, die noch für die Einheit mit der Natur steht. Die Kirche und unmittelbare Umgebung wird daher im Folgenden, geomantisch gesehen, als ein sogenannter Vier-Elemente-Platz behandelt.


Es sind vier Ansätze möglich. Man kann ausgehen von:

1) dem Aufbau der Kirche
2) Objekte am Kirchengebäude
3) der unmittelbaren Umgebung von etwa 10 Meter um das Kirchengebäude
4) der kompletten Umgebung der Kirche

Ein Anhaltspunkt liefert der Altar der Kirche. Da sich dieser in der klassischen Position im Osten befindet, verbleiben für den Osten nur die Elemente Feuer oder Luft.

 

 

2.3.4 - Ansatz 1: Der Aufbau der Kirche

Der Turm könnte als Luftelement gedeutet werden, der Platz an der Südseite wäre entsprechend das Erdelement. Um die klassische geomantische Positionierung der Elemente zueinander zu erhalten, müsste der Westseite das Feuerelement und der Ostseite das Wasserelement zugeordnet werden. Was aber im Widerspruch zur Elementezuordnung für den Altar steht. Daher kann diese Zuordnung entfallen.
 
Ansatz 1

 

 

2.3.5 - Ansatz 2: Objekte am Kirchengebäude

Als augenscheinlichen Hinweis auf einen Vier-Elemente-Platz durch die evangelische Kirche in Heiden könnte man durch die Sonnenuhr an der Südseite des Hauptgebäudes gegeben sehen. Die Sonne würde für Feuer stehen und der Turm wäre dann die Wasserseite. Um die klassische geomantische Positionierung der Elemente zueinander zu erhalten müsste der Westseite das Luftelement und der Ostseite das Erdelement zugeordnet werden. Was aber ebenso im Widerspruch zur Elementezuordnung für den Altar steht. Daher entfällt auch diese Zuordnung.
 
Ansatz 2

 

 

2.3.6 - Ansatz 3: Die unmittelbare Umgebung des Kirchengebäudes

Einen weiteren augenscheinlichen Hinweis auf einen Vier-Elemente-Platz durch die evangelische Kirche in Heiden erhält man wenn man nur die Kirche bzw. ihre unmittelbare Umgebung betrachtet. Dort ist ein Brunnen gegeben, der sich am Rande des westlichen Kirchenvorplatzes befindet. Man könnte also die Westseite als Wasserseite deklarieren. Dann wäre die Ostseite die Feuerseite und man hätte eine Struktur wie sie in katholischen Kirchen üblich ist. Der Turm und der Friedhof entsprechen dann der Erdseite und die Südseite mit dem Platz entspräche dem Luftelement. Dies könnte man als augenscheinliche geomantische Lösung bezeichnen und der oberflächliche Beobachter mag sich mit dieser Erklärung zufrieden geben.
 
Ansatz 3

 

 

2.3.7 - Ansatz 3a: Die klassische Elementezuordnung

Es ist aber zu vermuten das hier absichtlich eine falsche Spur gelegt werden sollte um den weiteren Zugang zur Anlage und deren Symbolik zu erschweren oder zu verhindern. Denn auch mit dem Zuordnungsschema der Vier-Elemente-Lehre wird man hier scheinbar fündig. Durch den Brunnen wäre dem Westen das Wasser zugeordnet, die Sonne in der Sonnenuhr symbolisiert dann das Feuer im Süden. Demnach wäre Osten mit der Luft verbunden, was auch hinsichtlich des Altars stimmig wäre. Und der Turm im Norden würde dann die Erde repräsentieren.
Ansatz 3a
 
Man erhält aber eine etwas andere Sicht der Dinge wenn man die Kirche mit ihrer kompletten Umgebung betrachtet.

 

 

2.3.8 - Ansatz 4: Die komplette Umgebung der Kirche

Betrachtet man die weitere bzw. gesamte Umgebung der Kirche, so ist der auffälligste Teil der Stadtplatz an der Südseite der Kirche. Der Platz wird im wesentlichen von zwei Objekten dominiert:

1) ein Baum der genau auf der Mittenachse der Kirche steht
2) eine Brunnenanlage mit der bronzenen Jungfrau und dem Fisch
 
Stadtplatz Heiden
 
über fast den ganzen Platz hinweg dominiert der Brunnen mit seinem Wasserspiel den Platz. Daher kann die Südseite der Kirche dem Element Wasser zugeordnet werden.

Die Jungfrau in dem Brunnen korrespondiert mit der lunaren (ebenso venusischen), weiblichen Ausrichtung der Kirche (Turmdach und Turmknopf) und kann als direkter Ausdruck der Erdgöttin (Mutter Erde, Schöpfung) interpretiert werden.

 

Der Vier-Elemente-Platz, also die evangelische Kirche in Heiden, besitzt dann folgende Struktur:

Westen: Erde – der Platz wo der Marktplatz abgehalten wird und sich der heutige Eingang befindet Verbindung zur Erde: Mutter Erde, Erdgöttin also weiblich Marktplatz als Ausdruck des Geschehens in der Materie: Handel, Austausch Brunnen am Westrand des Vorplatzes: Wasserelement noch dazu vorhanden

Norden: Feuer - Turm - stellt das Männliche , das Lineare, das Ich, den Menschen dar. Der Turmaufbau ist viergliedrig, mit dem Dach zusammen also 5 Etagen. Die 5 und der Turm als Symbol für den Menschen. Auch Turm – Blitzableiter – Feuer/Elektrizität

Osten: Luft - freier Platz (Einfahrt) stellt das Geistige dar - das männlich Göttliche korrespondiert mit dem Altar in der Kirche - siehe Innenbeschreibung

Süden: Wasser - stellt das Weibliche dar, das Leben und die Natur, auch Psyche des Menschen, kollektives Unbewusstes. Von hier aus ergießt sich die Wasserenergie, symbolisiert durch den Wasserfall der Treppen des viersäuligem Mittelportikus, in den gesamten Vorplatz und materialisiert sich dort in einem Baum und in der Brunnenanlage mit der Jungfrau und dem Fisch. Dazu mehr im Kapitel Vorplatz.

Zu beachten ist jetzt noch, dass über dem Haupteingang der Kirche (also ÜBER dem Wasser) die Sonnenuhr sitzt und damit eine direkte Beziehung zur Sonne herstellt. Das solare männliche Prinzip einerseits als lebensspendendes Element, andererseits als (polares zum weiblich/Wasser) oberstes und damit auch das führende Element. Dies korrespondiert mit der Bedeutung der Turmknöpfe, wo ja ebenfalls das solare über dem lunar, venusischem Element angeordnet ist. Diese Sonnenverbindung schlägt sich auch direkt im Wappen von Heiden nieder.
 
alter Haupteingang Wappen Heiden
 
In der Sonnenuhr befindet sich zwei girlandenartige Strukturen, die jeweils mit einem SPIRALANSATZ enden. Ist dies ein Hinweis darauf, dass die Spirale im neunzehnten Jahrhundert bekannt war und ebenso die Mittelpunktposition von Heiden in der Spirale?

Die quadratische tempelartige Bauweise, die exakte Ausrichtung zu den Himmelsrichtungen mit den drei Eingängen, die Vier – Elemente – Anordnung, die lunare weibliche Ausrichtung - die sich auch in der Brunnenanlage mit der Jungfrau und dem Fisch manifestiert , sowie die Sonnenführung - lassen vermuten, dass hier Menschen am Werke waren die über ein profundes geomantisches und esoterisches Wissen verfügten. Geomantie wird als die königliche Kunst bezeichnet und wurde früher eher als Kunst der Könige gehandelt. Also, die Kunst der Eingeweihten und Mächtigen - oder auch das Wissen, dass in Logen gehütet wurde. Es ist daher wahrscheinlich das die Stadtväter, die Kirche und Vorplatz in Heiden geplant und gebaut haben, einer Loge (Freimaurer?) angehörten.

Der Spruch "Zur Ehre Gottes" unter der Sonnenuhr bedeutet dann, dass die Gesamtanlage (Kirche + Vorplatz + umstehende Gebäude) wahrscheinlich ein sakrales Bauwerk darstellt, das zu Ehren der Erdgöttin (Schöpfung) und des Schöpfers erbaut wurde, und in dem der Zusammenhang zwischen Natur/Materie-Mensch-Geist dargestellt bzw. verehrt worden ist.

Ein erster Spiegel bzw. Ausdruck dafür wird durch die Innenarchitektur der Kirche gebildet.

 

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