Sonnenring am Bodensee
Copyright © Klaus Piontzik
 

2.5 - Die Darstellung der Göttin

2.5.1 - Die Erdgöttin

Die Ausrichtung der Kirche zu den Himmelsrichtungen, die Auslegung der Kirche als Vier-Elemente-Platz, die Zuordnung der Kirche zu Weiblich, Mond und Wasser mitsamt der Darstel-lung der Erdgöttin in der Brunnenanlage, sowie die Verwendung von Turmknöpfen lassen den Schluss zu, dass hier die Prinzipien der Bauhüttenkunst angewendet worden sind. Was wiederum bedeutet, dass die vier Himmelsrichtungen den vier jahreszeitlichen Darstellungen der Erdgöttin, in ihren drei Aspekten, entsprechen.

Im Weltbild des entwickelten Matriarchates ist eine deutliche Trinität der Göttin mit der Unterteilung in den weißen, roten und schwarzen Aspekt auszumachen. Darüber hinaus existiert noch als Viertes die Gesamtdarstellung der Göttin mit ihren drei Aspekten.

Erdgöttin = Mutter Erde = Mutter Natur = Natur = Kosmos = Schöpfung

Begleitet wird die Erdgöttin vom Heros, einer männlichen Gestalt. Korrespondierend mit den einzelnen Phasen der Göttin, verkörpert der Heros auch unterschiedliche Qualitäten, allerdings definiert er sich immer in Abhängigkeit zur Großen Mutter.

 

 

2.5.2 - Die Himmelsrichtungen

Norden
Im Norden wohnt die dreigestaltige Göttin an sich. Diese jungfräuliche weiße Erdgöttin stellt den Zusammenhang zur ewigen Einheit dar. In dem Wort Norden steckt auch das Wort Norne. Die Norne gilt als die Vorläuferin der dreieinigen Göttin im germanisch/keltischen Raum.

Die Verbundenheit mit der Einheit ist in Heiden auf geradezu wundersame Weise gegeben. Schaut man auf Heiden und über den Bodensee, ergibt sich das folgende Bild.
 
Heiden mit Bodensee
 
Für den geomantisch Sensitiven und Kundigen ist über der Mitte des Bodensees ein Landschaftsengel (siehe auch Marko Pogacnik: Schule der Geomantie) auszumachen, der das gesamte Bodenseeumfeld erfüllt. Oder um mit den Worten einer Heilerin zu sprechen: „Dort befindet sich eine Himmelsleiter“.

Neben der Jungfräulichkeit finden wir bei der weißen Göttin als stärkstes Merkmal deren Wildheit, die in der Herrschaft über die Jagd und den Kampf zum Ausdruck kommt. Dem Charakter der jungen Göttin entsprechen folgende Symbole: Das sind die Attribute der Jagd, wie Pfeil und Bogen (oft noch heute assoziiert mit Dana/Artemis) sowie jagdbare Tiere.
Je nach Region werden der weißen Göttin unterschiedliche, als sehr kraftvoll und kämpferisch gesehene Tiere zugeordnet, so z.B. Katzen. Ebenso regional bedingt ist die Unterscheidung der ihren Himmelswagen ziehenden Tiere. So trifft man auch auf Hirsche oder Löwen.
 
Wappen Heiden
 
Und so erklärt sich das Wappen von Heiden:Der Hirsch repräsentiert die Erdgöttin/Natur. Als führende und ordnende Kraft darüber wirkt das solare männliche Bewusstsein.Die grüne Farbe steht für die Natur. Das Blau korrespondiert mit dem Blau in der Sonnenuhr und steht für Luft und Geist (aber auch für Wasser und Leben)

 

Osten
Der Osten ist die Himmelsrichtung der Frühjahrs-Tag und Nacht-Gleiche und markiert das erste markante Ereignis im Jahreslauf der Sonne. Der Heros erscheint in erwachender, wachsender Kraft. Von seiner Entwicklung hängt die Fruchtbarkeit der Mutter Erde ab. Dennoch bezeichnet Oste(r)n die Muttergöttin, stammt doch Oste(r)n ursprünglich von Astarte, der steinzeitlichen Mutter von Byblos ab, vergleichbar etwa mit der Muttergöttin Hathor in ägypten. Ihr Name wandelte sich zur Göttin Eostre der (Angel)Sachsen. Ostern ist bereits der Beginn der Phase der Roten Göttin.
Zur Zeit des Sonnenaufganges bei Frühjahrs (und Herbst) -Tag und Nacht-Gleiche sind auf der Ost-Westachse der Kirche alle Elemente vorhanden.

Süden
Der Süden markiert das zweite markante Ereignis im Jahreslauf der Sonne, nämlich den Sonnenhöchststand. Der Süden steht für die Heilige Hochzeit von Göttin und Heros. Die rote Göttin erhält ihre Farbbezeichnung von der ihr zugeordneten Vollmondphase. Die rote Phase der Göttin steht für die reife, fruchtbare, erotische, sexuell aktive und fordernde Frau, für die Liebe in all ihren möglichen Interpretationsmöglichkeiten. (Venusischer Aspekt)
Die Brechung ihres Mythos war Hauptanliegen und Notwendigkeit während der patriarchalen Um- und überformung tradierter matriarchalischer Kulturen und hat auch in Heiden stattgefunden. (Sonnenuhr, Wappen)
Für die Heilige Hochzeit ist das Symbol des Heros die Sonne. Die Symbolik der Sonne als Heros bedeutet, dass sich für das Wappen von Heiden noch eine weitere Bedeutungsebene erschließt. Die Darstellung von Hirsch und Sonne entspricht dann der Darstellung von Erdgöttin und Heros. Und weist darauf hin, dass in Heiden (und Umgebung) die Göttin und der Heros herrscht, wir also eine Landschaft der Göttin vor uns stehen haben.
Schaut man vom Bodensee (also auch von Heiden aus) aus nach Süden, ergibt sich das folgende Bild.
 
Säntis Gebirge
 
Zu sehen ist das Gebirge des Säntis. Berge stellen die Verbindung zwischen Himmel und Erde dar (siehe Marko Pogacnik: Schule der Geomantie – Berge stellen ein (Kristall)Energiesystem dar, dass himmlische Energien aufnimmt, sie transformiert und an die Erde weitergibt. Das Energietransformationssystem der Berge steht in engem Zusammenhang zur Erdgöttin). Berge stellen also die Hochzeit von Himmel und Erde dar und daher ist auch die Landschaft südlich von Heiden stimmig mit der Hochzeitsthematik an der Südseite der Kirche. Das Thema der Hochzeit wird bei der Betrachtung der Brunnenanlage in Stadtplatz noch mal erscheinen.

Westen
Die Herbst-Tag und Nacht-Gleiche markiert mit dem dritten markanten Ereignis im Jahreslauf der Sonne zugleich auch den übergang der Phase der Roten Göttin zu der Schwarzen Göttin. Die Phase von Tod und Wandlung des Heros steht an, die dunkle Jahreszeit beginnt, die Alte Frau regiert. Die schwarze Göttin erhält ihre Farbbezeichnung von der ihr zugeordneten Mondphase, dem Neumond. Die schwarze Göttin ist die Herrscherin über das Jenseits, die Unterwelt. Sie steht für Tod, Wandlung und Wiedergeburt.

Am Westeingang der Kirche (Erde) befindet sich ein kleiner Brunnen mit fließendem Trinkwas-ser. Hier kommen also Erde und Wasser zusammen. Die Urmutter (Nerthus / Urda / Ursa / Ber-ta) war eng verbunden mit Wasser, aber immer im Zusammenhang mit dem Element Erde.
 
Himmelsrichtungen

 

 

2.5.3 - Die weibliche Trinität

Insgesamt findet hier durch die Prinzipien der Bauhüttenkunst eine Offenbarung der göttlichen, weiblichen Trinität an der Kirche in Heiden statt, die mit dem umliegenden Land, also dem Appenzeller Land, in Einklang steht. Die weibliche, göttliche Trinität kann dann wie folgt dargestellt werden:
 
weibliche Trinität
 
Dies ist das erste Geheimnis der Heidener Kirche – die Offenbarung der Existenz einer göttlich, weiblichen Trinität. Und durch das Wissen um diese Zusammenhänge lässt sich dann auch das Wappen von Heiden erklären. Im Wappen und auch hinsichtlich der Erdgöttin taucht ebenfalls deren Begleitung der Heros auf. Der auch als Mensch/Bewusstsein/Christus interpretierbar ist. Dieser Thematik wollen wir uns als nächstes zuwenden.

 

 

 zum Anfang derSeite

 zur vorherigen Seite zurück home weiter  zur nächsten Seite